Folgeblitze (Subsequent Strokes)

Wird durch den Erstblitz der Großteil der verfügbaren Ladung abgeführt, so kann nach Beendigung des Stromflusses am Einschlagpunkt das Ereignis Blitz beendet sein. In vielen Fällen folgt jedoch nach einer mittleren Pausenzeit von 35 ms ein weiterer Leitblitz (engl. Dart Leader) dem Kanal der vorangegangenen Entladung. Im Gegensatz zum ruckartigen Vorwachsen des ersten Leitblitzes (Stepped Leader) zeigt der Dart Leader ein gleichmäßiges Vorwachsen mit einer mittleren Geschwindigkeit von ca. 3 m/µs. Durch den Dart Leader wird der Blitzkanal neuerlich mit Ladung gefüllt und nachdem der neue Leitblitz den Boden erreicht hat durch einen so genannten Folgeblitz (engl. Subsequent Stroke) entladen. Dieser Ablauf kann sich mehrmals wiederholen, wobei in Einzelfällen bis zu 20 aufeinanderfolgende Entladungen in einem Blitzkanal registriert wurden. Eine größere Anzahl von Folgeentladungen kann zu einem Flackern des Blitzkanals führen, das auch mit freiem Auge wahrnehmbar ist. Umfangreiche Analysen von in Florida (USA) gewonnenen Messdaten haben eine mittlere Anzahl von 4,6 Entladungen pro Blitz ergeben, wobei von 76 ausgewerteten Blitzen 63 Blitze (83 %) mehr als eine Entladung zeigten und nur 13 Blitze (17 %) so genannte Einzelblitze darstellten. In Österreich wurden mit Hilfe des ALDIS Blitzortungssystems bei ca. 50 % der Blitze mehrere Entladungen festgestellt. Damit zeigt sich, dass Mehrfachentladungen nicht als außergewöhnlich, sondern als durchaus üblich zu betrachten sind.

Bei einem Teil der Entladungen folgt dem impulsförmigen Stoßstrom ein so genannter Langzeitstrom (engl. Continuing Current). Dabei handelt es sich um einen annähernd konstanten Strom von bis zu einigen 100 A, der aber während einer vergleichsweise langen Zeitdauer (bis zu mehreren 100 ms) fließt. Durch diesen Stromfluss können beachtliche Ladungsmengen von mehreren 10 As direkt von der Wolke zur Erde abgeführt werden und damit verbunden tritt ein deutlich höherer Energieumsatz an der Einschlagstelle auf. Dieser hohe Energieumsatz kann zum Entzünden brennbarer Materialien oder zum Durchschmelzen dünner Metallbleche führen. Bei Blitzen mit mehreren Entladungen tritt in 50 % aller Fälle ein Langzeitstrom auf, d. h. jeder zweite Blitz mit mindestens einem Folgeblitz weist auch einen Langzeitstrom auf.

Inwieweit einzelne Blitzparameter wie z. B. die Anzahl der Folgeblitze oder das Auftreten von Langzeitströmen von der geographischen Lage, den meteorologischen Bedingungen oder auch einfach von der Jahreszeit abhängen bzw. unabhängig davon sind, ist bis heute nicht zufriedenstellend geklärt.

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