| Forschungsprojekt
Gaisberg
| Forschungsprojekt
in Kooperation mit der TU Wien |
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| Das Forschungsprojekt wird finanziell (materiell)
unterstützt von: |
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Allgemeines
Auf Basis der Daten des österreichischen Blitzortungssystems ALDIS der Jahre 1992 - 1997 wurde eine systematische
Untersuchung von Orten mit erhöhter Blitzdichte in
ganz Österreich durchgeführt.
Unter
den Orten, an denen von ALDIS außergewöhnlich
viele Einschläge registriert wurden, fand sich unter
anderen der Gaisberg
bei Salzburg. Dabei ist anzunehmen, dass die Mehrzahl
der dort lokal georteten Blitze in den Sendemast auf dem
Gaisberg eingeschlagen haben. Entsprechende Beobachtungen
wurden auch vom dortigen Betriebspersonal bestätigt.
Ähnlich
hohe Einschlagzahlen wurden bei den Sendeanlagen am Dobratsch
und am Kitzbühler Horn festgestellt.
Unter
Berücksichtigung einiger weiterer Gesichtspunkte, wie
z.B. der allgemeinen Zugänglichkeit, bietet der Sender
am Gaisberg die idealen Voraussetzungen für die Durchführung
wissenschaftlicher Untersuchung an natürlichen Blitzentladungen.
Neben
der Blitztriggerung, wie sie z.B. am Camp
Blanding in Florida seit mehreren Jahren durchgeführt
wird, sind Messungen beim natürlichen Blitzeinschlag
in hohe Türme praktisch die einzige Möglichkeit,
den Stromverlauf von Blitzen direkt zu messen. Neben dem
Gaisberg gibt es weltweit derzeit nur 3 vergleichbare Messstationen,
wo Blitzeinschläge in ähnlicher Form direkt gemessen
werden:
CN Tower in Toronto, Kanada, 550 m
Kamin
in Japan (Fukui), 200 m
Messturm
in Brasilien, Morro do Cachimbo, 60 m
Schwerpunkte
des Forschungsprojektes
| 1. |
Bestimmung
der verschiedenen Blitzstromparameter unter Verwendung der
heute verfügbaren Messtechnik.
- Blitzstromamplitude
- Ladung
der Einzelimpulse und Gesamtladung
- Stromanstiegsgeschwindigkeit
(di/dt)
Ein Vergleich
der Amplitudenverteilung der ALDIS Daten mit
der von CIGRE festgelegten Amplitudenverteilung zeigt
deutliche Unterschiede. Der Medianwert der ALDIS Verteilung liegt mit ca. 13 kA deutlich unter dem 30 kA
Median der CIGRE-Verteilung.
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| 2. |
Untersuchung
des Einschlagmechanismus im Sinne einer Verifikation des
Geometrisch-Elektrischen Modells. Das Geometrisch-Elektrische
Modell ist die Basis für alle Betrachtungen zum Schutzbereich
von Blitzschutzanlagen. |
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| 3. |
Überprüfung
der ALDIS Blitzstrombestimmung durch direkten Vergleich
der am Turm gemessenen Stromamplituden mit den von ALDIS
bestimmten Stromamplituden. |
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| 4. |
Bestimmung
der bei einem Blitzeinschlag abgestrahlten elektromagnetischen
Felder. |
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Messaufbau
Zur Erfassung der Blitzeinschläge in die Mastspitze
wurden an der Mastspitze zwei Sensoren zur Messung des Stromes
und von di/dt der zeitlichen Änderung des Stromes
- installiert.
Der
Blitz schlägt in die Fangeinrichtung an der Mastspitze
ein und der gesamte Blitzstrom fließt unmittelbar
über den speziellen, breitbandigen Messwiderstand (Shunt)
von 0,25 Ohm und durch den induktiven di/dt - Sensor zu
den Ableitungen der Blitzschutzanlage.
Position
der Sensoren auf der Mastspitze
Die
Messsignale (Spannungsabfall am Shunt bzw. Ausgangssignal
vom di/dt - Sensor) werden aus Beeinflussungsgründen
sofort an der Mastspitze in ein optisches Signal umgesetzt
und über Lichtwellenleiter in das ORF Betriebsgebäude
neben dem Mast übertragen.
Damit
ein möglichst großer Bereich an Blitzstromamplituden
abgedeckt werden kann, sind bei der Strommessung 2 getrennte
Kanäle mit unterschiedlicher Empfindlichkeit aufgebaut:
Kanal
1: 0,05 kA bis 2,0 kA - Zur Messung der sog. Leader- und
Langzeitströme.
Kanal 2: 1,6 kA bis 40 kA - Zur Messung der großen
Stoßströme
Die
gesamte Messwertaufzeichnung wird mit Hilfe einer GPS-Uhr
zeitlich synchronisiert und kann somit auch eindeutig den
Ortungsdaten des ALDIS Systems gegenübergestellt
werden.
Alle
Einrichtungen zur Datenaufzeichnung sind im Betriebsgebäude
des ORF untergebracht.
Die
Aufzeichnung der Messsignale erfolgt mit PC-Signalerfassungskarten
mit einer Abtastrate von 20 MS/s (Strommessung) bzw. 100
MS/s (di/dt-Messung) über eine Aufzeichnungsdauer von
0,8 Sekunden. Die maximale Totzeit zwischen zwei Triggerungen
beträgt ca. 20 Sekunden. Diese Zeit wird benötigt,
um alle Daten (32 MB je Triggervorgang) auf die lokale Festplatte
zu transferieren, bevor das Messsystem den nächsten
Einschlag aufzeichnen kann.
Die
gewählte Methode der kontinuierlichen Messwerterfassung
erlaubt es, alle Vorgänge - vom Einsatz der Leitblitzentwicklung
bzw. der Fangentladung bis zum letzten Teilblitz - vollständig
aufzuzeichnen.
Der
gesamte Messaufbau ist für automatischen Betrieb und
Fernwartung über einen ISDN-Modemanschluss eingerichtet.
Einige
Ergebnisse
Anzahl der Turmeinschläge
Der erste Blitzeinschlag konnte am 17.09.1998 aufgezeichnet
werden. Bis Ende Dezember 2006 wurden ca. 500 Ereignisse, wobei die Anzahl von Jahr zu Jahr großen
Schwankungen unterliegt.
Aufgrund des Stromverlaufes konnte die überwiegende
Zahl der bisher registrierten Entladungen als Aufwärtsblitze
identifiziert werden, was typisch für exponierte Türme
auf Bergen ist. Die Mehrzahl der Entladungen weist negative
Polarität auf. Einige Stromverläufe zeigen auch
einen bipolaren Verlauf, d.h. dass während eines Einschlages
sowohl negative als auch positive Stromflussrichtung beobachtet
wurde.
Strommessung
Den typischen Verlauf des Blitzstromes bei einem Aufwärtsblitz
zeigt die folgende Abbildung. Die Entladung beginnt mit
einem so genannten "Initial Continuous Current (ICC)"
mit einer Amplitude von einigen 100 Ampere und einer Dauer
von einigen 100 Millisekunden. Häufig werden nach dem
ICC nach einer stromlosen Phase von mehreren Millisekunden
ein oder mehrere "Return Strokes" beobachtet.
Diese sind vergleichbar mit den Folgeblitzen bei klassischen
Abwärtsblitzen.

Typischer Gesamtstromverlauf bei einem Aufwärtsblitz
Dem ICC sind häufig impulsförmige Ströme
(ICC Pulses) überlagert, die sehr unterschiedliche
Kurvenformen aufweisen können.

Beispiele
von zwei sehr unterschiedlichen Kurvenformen von ICC Pulsen
Es
wurde bisher eine erhebliche Anzahl von Entladungen registriert,
die praktisch keine ICC Impulsströme haben, sondern
aus Strömen von einigen 100 A über eine Zeitdauer
von mehreren 100 ms bestehen. Obwohl die Amplituden in diesen
Fällen vergleichsweise gering sind, können auch
bei dieser Entladungsform erhebliche Ladungsmengen zwischen
Wolke und Erde ausgetauscht werden.
Videoaufzeichnung
Am
14.6.2000 gelang während eines Nachtgewitters die erste
gute Aufzeichnung des Turmeinschlages mit dem Hochgeschwindigkeits-Videosystem.
Diese spezielle Kamera, die bis zu 1.000 Bilder pro Sekunde
mit einer Auflösung 240x512 pixels (8-bit Grauwerte)
aufzeichnen kann, dient der optischen Erfassung des gesamten
Einschlagsvorganges von der Initialisierung bis zum letzten
Teilblitz. Zur zeitlichen Korrelation mit den gemessenen
Strömen und mit den ALDIS Aufzeichnungen sind
auch die Videobilder mit einem GPS Zeitstempel versehen.
Eine
aus mehreren hunderten Bitmap Dateien erstellte Movie-Datei eines Turmeinschlages vom 14.6.2000 um 20:30 Uhr (UTC)
zeigt das mehrfache helle Aufleuchten des Blitzkanals,
wenn die dem Langzeitstrom überlagerten Impulsströme
durch den Kanal fließen. Bei Betrachtung der Filmsequenz
ist eine Bewegung des gesamten Blitzkanals von links nach
rechts zu beobachten. Diese Verschiebung des Blitzkanals
um mehrere Meter ist ein Resultat des relativ starken
Windes, der zum Zeitpunkt des Einschlages am Gaisberg
geherrscht hat.
Die
Auswertung der Korrelation zwischen den gemessenen Strömen
und der Helligkeit des Blitzkanals in den Videoaufzeichnungen
hat gezeigt, dass ein linearer Zusammenhang zwischen dem
Stromverlauf im Blitzkanal und dem Helligkeitsverlauf des
Kanals besteht [Diendorfer
et al., 2003]. Auf Basis dieses Ergebnisses war es möglich,
die Teilströme in einzelnen Ästen des Kanals abzuschätzen.

Die Abbildung
zeigt einen Turmeinschlag, wobei der Blitzkanal sich auf
3 Äste aufspaltet. MPEG
Movie des Blitzeinschlages
Gemessen
werden kann nur der Gesamtstromim an der Turmspitze. Aus
dem zeitlichen Verlauf der Helligkeit der einzelnen Äste
kann näherungsweise der Stromverlauf in den einzelnen
Ästen (i1, i2 und i3) bestimmt werden.
Zeitlicher
Verlauf des Stromes in den einzelnen Ästen des Blitzkanals
Feldmühle
Zur
Messung des langsam veränderlichen elektrostatischen
Feldes am Standort Gaisberg wird eine Feldmühle eingesetzt. Die Feldmühle wurde von VAISALA, dem Lieferanten
des österreichischen Blitzortungssystems, leihweise
zur Verfügung gestellt.
Auch
bei Schönwetter existiert, - hervorgerufen durch die
positiv geladene Ionosphäre - ein elektrostatisches
Bodenfeld in der Größenordnung von +130 V/m.
Bei Annäherung bzw. lokaler Bildung einer Gewitterzelle
wechselt dieses Feld vorerst einmal die Polarität und
steigt in der Folge je nach Reifegrad und Lage der Gewitterzelle
auf Werte von bis zu -10.000 V/m an. Steigt die Feldstärke
auf Werte über 3000 - 5000 V/m, ist dies ein Indiz
dafür, dass in absehbarerer Zeit Blitzschläge
möglich sind. Am Beispiel des zeitlichen
Verlaufes der Feldstärke vom 2.8.2000 Nachmittag ist erkennbar, dass während Gewitter starke Schwankungen
der elektrostatischen Feldstärke in beide Richtungen
(positiv und negativ) auftreten. Diese Schwankungen sind
ein Resultat der ständig wechselnden Ladungsverteilung
innerhalb der Gewitterwolke.
Fernfeldmessung
Die Messungen vor Ort am Gaisberg wurden 2007 um eine Messstation am Dach der FH-Wels erweitert, die aus operativen Gründen im Mai 2008 nach Neudorf in Oberösterreich verlegt wurde. Mit dieser Messstation werden die Feldimpulse (elektrisches Feld) aufgezeichnet, die von den Einschlägen in den Sender am Gaisberg in ca. 110 km Entfernung herrühren. Damit können diverse Blitzmodelle, die zur Berechnung der von Blitzen abgestrahlten elektromagnetischen Felder verwendet werden, überprüft werden, da in diesem Fall sowohl der genaue Stromverlauf im Blitzkanal sowie das zugehörige Feld in größerer Entfernung (Fernfeld) bekannt sind. Das folgende Bild zeigt die Feldmessantenne am Dach am Standort Neudorf.

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